Quelle:Neue Presse Frankfurt online
v. 26.05.2009
SC 80 steht vor einer Zäsur
Beim Deutschen Rugby-Meister werden künftig die Nachwuchsteams noch stärker gefördert
Von Stefan Fritschi
Der SC 80 Frankfurt gewinnt die Rugby-Meisterschaft und den Zweitliga-Titel. Das hat bisher noch kein Verein geschafft. Doch nun folgt der große personelle Umbruch.
Frankfurt. Auch wenn der Erfolg im Endspiel am seidenen Faden hing. Für Ulrich Byszio, Teammanager des alten und neuen Deutschen Meisters SC 80 Frankfurt, war er die logische Konsequenz. «Beide haben den Sieg verdient gehabt. Unsere Mannschaft hat aber den Titel zurecht gewonnen, weil sie fast die ganze Saison oben stand», konstatierte der einstige Nationalspieler nach dem mühsamen 11:8 (8:5)-Triumph über den Herausforderer Heidelberger RK.
Ob es in der kommenden Spielzeit sogar gelingt, den Meisterschafts-Hattrick zu realisieren, ist allerdings sehr fraglich. Denn nächste Saison plant der Club von der Feldgerichtstraße nur noch mit acht anstatt 16 Profis anzutreten – ein kaum zu verkraftender Einschnitt. Der umtriebige Unternehmer aus der Schmuck- und Edelmetallbranche gesteht ein, dass das hohe Niveau dann nicht mehr zu halten sein wird. «Wir müssen versuchen, Spieler finden, die das Topniveau von Marcus Seuseu und Andrew Porter haben.» Beide werden laut Byszio den Club verlassen. Porter, der im Endspiel wegen einer Verletzung fehlte, stehe gar vor einem Engagement in der höchsten Spielklasse Neuseelands.
Trotz des sich abzeichnenden Qualitätsverlusts sei der Erfolgsdurst nach wie vor nicht gelöscht, meint Byszio. Doch insgeheim hat er schon einkalkuliert, dass nach der bevorstehenden radikalen Zäsur die vierte Endspielteilnahme in Folge misslingen könnte. Nach dem Pokalfinale am kommenden Samstag (17 Uhr) gegen den TSV Handschuhsheim würden erste Gespräche geführt wegen möglicher Vertragsverlängerungen. Denn Byszio weiß: «Man kann nicht ohne Profis auskommen, wenn man vorne mitspielen will. Gerade auf den Schlüsselpositionen.»
Beim Deutschen Rugby-Meister werden künftig die Nachwuchsteams noch stärker gefördert
Auch Aaron Satchwell zählt zu den Topkräften. Und das sogar in dreifacher Hinsicht: Der 35 Jahre alte Neuseeländer ist der Kapitän, lenkt den Sturm und fungiert als Assistenztrainer an der Seite seines Landmanns Lofty Stevenson. «Sie haben einen guten Job gemacht», betont Byszio. Doch ob beide bleiben, sei noch offen.
Zwar sind die Geldquellen in Frankfurt nicht versiegt. Doch die finanziellen Mittel, führt Byszio aus, würden in der kommenden Spielzeit umgeschichtet. Die vielen Nachwuchsmannschaften sollen davon profitieren. Neben der RG Heidelberg hat der SC 80 mit rund 300 Rugby-Kids schon jetzt das größte Talentereservoir in Deutschland. Allerdings wurde im Vorjahr nur die U 12 Meister. Byszio dazu: «Wir müssen zeigen, dass wir auch mit allen Jugendmannschaften ganz vorne mitspielen können.»
Ein Erfolg des Willens und der stärkeren Physis
Von der Modifizierung profitieren in der kommenden Saison in erster Linie Rugger aus hiesigen Breitengraden – allerdings stehen sie auch mehr in der Pflicht. Dass sie aber ohne Scheu ans Erstligator klopfen dürfen, bewiesen sie im Zweitliga-Endspiel gegen den DSV Hannover/Ricklingen. Mit 24:10 (5:10) bezwang der SC 80 II die erfolgsverwöhnten Niedersachsen, die alle 18 Ligabegegnungen in der Nordstaffel gewonnen und dabei 1138 Spielpunkte erzielt hatten. «Wir hatten die stärkere Physis und den Willen», kommentierte Daniel Cünzer seinen größten Erfolg als Spielertrainer.
Beim Deutschen Rugby-Meister werden künftig die Nachwuchsteams noch stärker gefördert
Dabei sah es in der Anfangsphase so aus, als würde der Bundesliga-Aufsteiger die Schwarz-Roten überrennen. Angetrieben vom überragenden Marvin Dieckmann (er erzielte auch alle zehn Punkte), stürzte Hannover den Südmeister von einer in die andere Verlegenheit. Nach knapp einer halben Stunde fing sich aber die Frankfurter 15 und verkürzte durch Chris Howells auf 5:10 (36.).
Als Cünzer nach Durchbruch von Sam Henderson und Ngatai Walker ausglich (44.), kippte die Partie. Walker (51.) und Andrew Shaw (72.) münzten die Überlegenheit noch in zwei Versuche um, die Walker zudem erhöhte.
SC 80 II: Chris Howells (5 Punkte/41. Anabell), Fyfe (60. Greif), Hornbach (75. Küster) – Schieler (65. Shaw 5), Cünzer (5) – Hoss, Patrick Slattery, Henderson – Gibson – Walker (9) – Ghofrani (66. Gray), Stelzer (35. Krimer), Berwing, Podzuweit – Schäfer (70. Tscherner).
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