Quelle:Frankfurter Runschau online
v. 25.05.2009
Der erste Teil des Doubles ist geschafft
Der SC 1880 Frankfurt gewinnt das Finale um die deutsche Rugby-Meisterschaft und unterstreicht damit seine bundesweite Dominanz
VON JAN SZYSZKA
Aaron Satchwell wollte den Pokal gar nicht mehr loslassen. Das Gewicht der bronzenen Trophäe schien dem Kapitän des Rugby-Bundesligisten SC 1880 Frankfurt egal. Einhändig stemmte Satchwell den Pokal in Ei-Form in die Lüfte, ehe er seine Freude über den Gewinn der deutschen Meisterschaft und die erfolgreiche Titelverteidigung rausbrüllte. "Am liebsten würde ich jetzt zwei, drei oder vier Tage am Stück feiern. Aber das geht ja nicht", sagte der 35-jährige Neuseeländer mit Blick auf das am kommenden Samstag (17 Uhr) ebenfalls in Frankfurt ausgetragene Pokalfinale gegen den TSV Handschuhsheim.
Um den ersten Teil des anvisierten Doubles hatte Satchwell lange zittern müssen. Am Ende von 80 umkämpften Minuten hatte der SC 80 mit 11:8 (8:5) gegen den Heidelberger RK das glücklichere Ende für sich. Entscheidender Spieler war Kicker Rusell Kupa. Der 25-jährige Neuseeländer sorgte sieben Minuten vor dem Ende mit einem 42-Meter-Kick für den Sieg. Zuvor hatte Matchwinner Kupa bereits alle SC-80-Punkte erzielt. Bei der eigentlich offensivstärksten Mannschaft der Liga schoben die Akteure ihre geringste Punkteausbeute in der gesamten Saison auf die gut organisierte Heidelberger Deckung. Worte wie "Verteidigungsschlacht" (Spieler Dennis Feidelberg) und "Arbeitssieg" (Teammanger Uli Byszio) machten die Runde. Trainer Lofty Stevensson sah es ähnlich. Das fehlende Punkte-Spektakel machte ihm nichts aus. "Es war spannend bis zur letzten Sekunde. So was ist Rugby - und ein solches Endspiel ist fantastisch für den Sport in Deutschland."
Mehr als 3200 Zuschauer
Mit dem geht es voran. Das unterstrich das Besucherinteresse am Samstag. Mehr als 3200 Zuschauern strömten auf das Gelände des SC 80. Selbst die hohen Erwartungen des Klubs wurden übertroffen. "Die Kulisse war klasse", sagte Feidelberg, der in seiner bisherigen Karriere noch nie vor so vielen Menschen gespielt hatte. Für Stimmung sorgten vornehmlich Tröten, die Teammanager Byszio am Rand des Spielfeldes verteilte.
Bei den Siegerfeiern wies der langjährige Mäzen immer wieder auf die Nachwuchsarbeit des SC 80 hin. Vorwürfe, dass der Erfolg dank 14 neuseeländischer Profis nur gekauft und nicht nachhaltig sei, widerspricht Byszio. "Es haben ja auch Deutsche mitgespielt. Und langfristig wollen wir sowieso davon mehr sehen. Wir können aber auch nicht hexen."
Unterstützt wird Byszio von Claus-Peter Bach, Präsident des Deutschen Rugby-Verbandes (DRV). Einzelpersonen wie Byszio würden den bundesweiten Rugbysport dominieren. Und nur dank dessen Wirken "mit Sinn und Verstand" sei Altmeister SC 80 (vier Meisterschaften zwischen 1910 und 1925) "aus dem Dornröschenschlaf erweckt" worden. Bach meint damit, dass das Rhein-Main-Gebiet neben den traditionellen Hochburgen Heidelberg, Hannover und Berlin als Standort nicht nur etabliert sei, sondern eine Vorreiterrolle habe. Schlecht sei das nicht. "Das tut dem Rugby sogar eher gut", sagt Bach mit Blick auf die Nachwuchsarbeit der Frankfurter. Einen weiteren Schub erhofft er sich durch neue Zentren in Köln sowie die Erweiterung der Liga auf zehn Mannschaften. Mehr Aufmerksamkeit und Finanzkraft könnten dem DRV im Herbst winken. Dann will das IOC darüber beraten, ob Rugby nach 1924 wieder olympisch wird.
Starker Nachwuchs
Die Dominanz des SC 80 im Rugby unterstrich der Erfolg der zweiten Mannschaft. Im Finale um die Zweitliga-Meisterschaft besiegte sie den DSV Ricklingen 24:10 (5:10). Meistertrainer Lofty Stevenson stufte den Erfolg des Teams, in dem neun 18-Jährige aufliefen, höher ein als die Titelverteidigung der ersten Mannschaft. "Als ich vor zwei, drei Jahren nach Frankfurt kam, hatte die zweite Mannschaft nur ein einziges Spiel in der zweiten Liga gewonnen. Dass sie jetzt oben steht, zeigt unsere tolle Entwicklung." Perspektivisch will Stevensson den Unterbau nutzen. Der Ausländeranteil in der ersten Mannschaft soll sinken. "14 Ausländer sind zu viel. Wir werden das anpassen." |