Quelle: Frankfurter Rundschau online
v. 31.05.2010

Rugby

Werbung per Niederlage

Von Jan Szyszka


Die Mitspieler versuchten alles: aufmunterndes Klopfen auf die Schulter, ein Klaps auf den Hinterkopf, ein paar tröstende Worte. Geholfen hat Dennis Feidelberg das wenig. Der 23 Jahre alte Rugger des SC 1880 Frankfurt wirkte nach dem Schlusspfiff untröstlich. "Wir hätten es gewinnen können", presste Feidelberg schließlich hervor. "Es" war das Endspiel um die deutsche Meisterschaft: Feidelberg und der SC 80 verpassten darin am Samstag die angestrebte Titelverteidigung. In einem streckenweise hochklassigen Spiel verloren die Frankfurter gegen den Heidelberger RK nach Verlängerung mit 22:39 (22:22/6:6).

Die Vorentscheidung fiel in der ersten Minute der 30-minütigen Extrazeit. Nach dem eigenen Kick-off brachten die Frankfurter den Ball nicht unter Kontrolle. Der Heidelberger Pieter Jordaan nutzte die Verwirrung: Per Dropkick legte er sich den Ball an der Außenlinie zweimal vor und spurtete in die Endzone zum 22:27. "Das war die Entscheidung über Sieg und Niederlage", sagte der starke Heidelberger Caine Elisara und verwies auf einen "psychologisch wichtigen Zeitpunkt". Eben daran knabberte auch Dennis Feidelberg. Der Gedrängespieler hatte in jener Szene nach dem Kickoff kurzfristig die Hände am Ball. "Ich hätte ihn fangen können", haderte Feidelberg.

Für zusätzlichen Frust hatte die Spielsituation wenige Minuten zuvor gesorgt. Keiran Manawatu hatte die Frankfurter erst in der letzten Minute der regulären Spielzeit per verwandeltem Strafkick zum 22:22 in die Verlängerung gerettet. Vor der Vollstreckung der bereits angezeigten Strafe wegen Abseits drängten die Rugger des SC 80 aber auf einen Versuch und damit die Entscheidung. Trotz mehrerer Anläufe scheiterten sie jedoch in der gut gestaffelten Abwehr der Heidelberger, die nach einem verletzungsbedingten schwachen Saisonstart in der Rückrunde kein Spiel mehr verloren haben.

"Sie haben gar nichts zugelassen. Heidelberg war richtig stark", sagte Dritte-Reihe-Spieler Ross Warrick. Die Stärke des "verdienten Meisters Heidelberg" stellte auch Uli Byszio heraus. Der Manager der SC-80-Rugger wirkte trotz des von ihm geforderten Titelgewinns nicht enttäuscht. "Ich bin stolz auf meine Jungs", betonte Byszio und verwies auf die Verlängerung, in der die Frankfurter trotz klaren Rückstands nicht aufgesteckt hatten. Neben dem Spielverlauf sei das "großartige Werbung für unseren Sport" gewesen.

Die Schlussphase verfolgte der ehemals selbst aktive Rugger mit einer SC-80-Fahne in der Hand am Spielfeldrand. Schon Minuten vor dem Schlusspfiff klopfte er Trainer Aaron Satchwell aufmunternd auf die Schultern. Als Garantie für eine Weiterverpflichtung des Neuseeländers will der langjährige Mäzen dies zwar noch nicht verstanden wissen. Allerdings sprach der Manager erneut von einer "super Zusammenarbeit". Byszio betonte zudem, dass die Frankfurter trotz verpasster Titelverteidigung der Weg zu weniger ausländischen Profis fortsetzen werden.

Kritik äußerte er dagegen am Spielplan, genauer dem Zeitpunkt des Pokalfinals im 15er-Rugby: Der SC 80 trifft darin am 26. Juni auf Gastgeber SC Neuenheim. Eine Woche vorher hat der Deutsche Rugby-Verband (DRV) die DM in der Siebenervariante angesetzt (18./19./20. Juni in Heusenstamm). Sportdirektor Dieter Wüst spricht von einer "ganz blöden Situation" und einem "Spagat in der Vorbereitung" angesichts des Hin und Hers.

DRV-Präsident Claus-Peter Bach kann den Ärger nachvollziehen. Er betont, dass in Zukunft eine "klare Trennlinie" zwischen 15er- und Siebenervariante gezogen werden wird. Der DRV wird die olympische Variante zudem aufwerten: Ab 2011 soll die Siebenermeisterschaft in einer Serie ausgespielt werden. Nach Abschluss der 15er-Saison werden dafür sechs Turniere mit jeweils 16 Mannschaften ausgetragen. Über ein Punktesystem sollen die maximal zweimal startberechtigten Teams sich für ein Finalturnier Anfang August 2011 qualifizieren.

 



zurück zur Startseite                                          ....mehr aus der Presse hier!