Quelle: Text: F.A.Z., 29.05.2007, Nr. 122 / Seite 69
Rugby: 1880 Frankfurt feiert den ersten Pokalsieg der Vereinsgeschichte
"Absolut gerecht und absolut genial"

fn. HEIDELBERG. Die vergangenen drei Jahre der Rugbyspieler des SC 1880 Frankfurt kann man auch so zusammenfassen: Aufstieg, Aufstieg, Durchmarsch - Pokal. Keine schlechte Bilanz für die rauhbeinige Mannschaft des Frankfurter Traditionsklubs, die vor einigen Jahren noch völlig in der Versenkung verschwunden war und direkt von der Regionalliga an die Spitze der Bundesliga geeilt ist. Eigentlich hatten die meisten nach diesem Sturmlauf den Titel schon in Frankfurt gesehen. Aber nachdem die neu auferstandenen "Achtziger" vor zwei Wochen das Endspiel um die deutsche Meisterschaft gegen die RG Heidelberg auf eigenem Platz verloren hatten, gelang am Samstag immerhin ein versöhnlicher Saisonabschluss. Im Heidelberger Fritz-Grunebaum-Sportpark besiegten die Frankfurter die RGH im Pokalfinale 18:13. Die "Mission Revanche" war geglückt.

Ein vergleichbarer Erfolg für die Frankfurter liegt schon lange zurück. 1925 holten sie zum letzten Mal den Meistertitel, den seit 1962 ausgetragenen Pokal hatte der SC 1880 noch nie erobert. "Absolut gerecht und absolut genial", fand Rugby-Abteilungsleiter Thomas Torchalla den Sieg. "So haben beide Mannschaften etwas von dieser Saison." Auch Rudolf Finsterer, der Heidelberger Trainer und Nationalcoach in Personalunion, räumte die Niederlage unumwunden ein: "Wir haben neun Punkte durch Straftritte vergeben und eine Überzahl nicht genutzt. Insofern dürfen wir uns nicht beschweren."

Einiges erinnerte an das Meisterschaftsfinale, beispielsweise die frühe Führung der Frankfurter vor 1800 Zuschauern. Nur zwei Minuten dauerte es, ehe der SC 80 den ersten Versuch zu fünf Punkten Vorsprung legte, und wie vor zwei Wochen drehte Heidelberg noch vor der Pause den Punktestand zu seinen Gunsten. Doch diesmal erarbeiteten die Frankfurter sich in der zweiten Hälfte die Führung, die sie nicht wieder hergaben. "Wir haben viel mit unseren Stürmern gespielt und die Heidelberger damit gebunden. Das war zwar anstrengender, ist aber aufgegangen. Wir haben mit Herz gespielt", meinte der Frankfurter Nationalspieler Dennis Feidelberg.

Dass der mit internationalen Profis verstärkten Mannschaft des SC 80 das Herz fehlen könnte, ist ein Vorwurf, der immer noch durch die deutsche Rugbyszene geistert. "Ich sage, wir haben heute das Gegenteil bewiesen", meinte der Frankfurter Trainer George Simpkin. Nun steht die erste Mannschaft des SC 80 allerdings vor einem Umbruch. "Viele ausländische Profis werden uns verlassen, weil wir sie uns nicht mehr leisten können", sagt Manager Uli Byszio. Auch die Vertragsverlängerung mit der neuseeländischen Trainerlegende Simpkin muss erst noch verhandelt werden. Immerhin hat Simpkin noch nicht abgesagt. Sollte er den Verein verlassen, wird es für die Frankfurter schwierig, gute Profis zu verpflichten. Ob sich die "Achtziger" auch in Zukunft an der deutschen Rubgyspitze halten können, ist eine spannende, kaum beantwortbare Frage.





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